Die Macht füllte ihn nicht aus

Einer aus dem Betrieb, den jeder kannte und viele mochten, stirbt ganz plötzlich. Thomas Oppermann wollte tun, was er so oft getan hatte, ein Interview geben. Nichts Besonderes, ein paar Minuten lang, daheim in Göttingen. Zusammenbruch und Tod. Aus dem Nichts, keine Vorwarnung. Mitten aus dem Leben gerissen, wie es jetzt in den Nachrufen seiner Kollegenfreunde, die nicht nur in der SPD saßen, sondern auch in anderen Parteien, jetzt heißt.

Es ist nun mal so: Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen. Jeder von uns weiß das, jeder von uns verdrängt es, was denn sonst. Politik verschlingt mehr als andere Berufe die Menschen, weil sie ständig auf dem Präsentierteller stehen und begutachtet werden: Noten für Aussehen und Auftreten, für Intelligenz und Charakter, für Reden oder Schweigen, ob sie souverän wirken oder schnell beleidigt sind. Sie sollen professionell sein, aber auch souverän. Uns regieren, aber auch einer von uns sein.

Wenn dann jemand aus dem Leben gerissen wird, halten die anderen Politikerinnen und Politiker für einen Augenblick inne. Die Bekundungen der Trauer und Betroffenheit sind dann oft genug sogar ehrlich gemeint. Solidarität ist ein schönes, aber rares Gut, im Angesicht des Todes leichter verfügbar. Die Anteilnahme, die Thomas Oppermann parteiübergreifend zuteil wird, gilt dem fairen und sympathischen Kollegen und sie folgt dem Gedanken: Oh Gott, das könnte mir genau so passieren, auf den Einsatz bei „Bonn direkt“ warten und peng, aus ist es.

Vor ein paar Wochen saß ich in einer kleinen Runde mit Thomas Oppermann. Er war entspannt und wirkte distinguiert, was bei Sozialdemokraten nicht die Norm ist. Er war mit sich im Reinen, er wollte im nächsten Jahr nicht mehr antreten, er war 66, es war genug. Gerne wäre er mehr als zweite Reihe geworden, Innenminister zum Beispiel, aber vor ihm waren etliche Machtmenschen, die auch aus Niedersachsen kamen: Schröder, Stuck, Gabriel. Ab nächstem Jahr wollte er noch mal etwas anderes machen, wie man eben so sagt, wenn man sich zum Gehen entschlossen hat.

Oppermann war kein Machtmensch. Er war belesen und bedacht. Schlank und sportlich. Er trank nicht, er sah erheblich jünger aus, als er war. Im Harz rannte er gerne den Brocken hinauf. Ein angenehmer Gesprächspartner, gerade weil er sich nicht aufpumpte. Ich hätte ihm gegönnt, wenn er noch viele Spiele seiner BG Göttingen hätte schauen können, denn Basketballfan war er seit seiner Jugend.

Natürlich wusste Thomas Oppermann, was Macht ist, aber sie füllte ihn nicht aus. Das Menschliche war stärker, deshalb verlor er sich nicht in dreißig Jahre Politik. Wie schön für ihn und wie schade, dass ihm das Leben nach der Politik verwehrt bleibt.

Veröffentlicht auf t-online.de, heute.

Wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe

In diesen Tagen gibt es zwei Perspektiven auf Corona und kein Ende zu schauen: die persönliche Erfahrung und die politischen Maßnahmen. 

Meine persönlichen Erfahrungen an diesem Wochenende sahen so aus, dass sich überall, wo ich einkaufen oder zum Sport war, die Leute, denen ich begegnet bin, exakt an die Regeln hielten, sogar mehr noch als in den Wochen zuvor. Auf dem Wochenmarkt liefen fast alle Menschen mit Gesichtsmasken herum, das Wetter war vorübergehend milde, die Sonne schien, die Laune war gut. Ich machte es nach und kramte die Gesichtsmaske heraus. Widerstrebend, na klar, aber dann eben doch pflichtbewusst. Man kommt sich ja schon nahe am Obststand, bei der Käsefrau oder beim Blumenhändler.

Im Fitnessklub zogen sogar die Muskelmänner brav ihren Mund- und Nasenschutz hoch, wenn sie die Geräte wechselten, wie es geschrieben stand. Niemand beschwerte sich, niemand rollte mit den Augen oder machte eine wegwerfende Geste. Sie verhielten sich so, wie es die Vorschrift war, unlustig, aber folgsam. 

Ich will meine Beobachtungen nun wirklich nicht verallgemeinern. Ich bewege mich nur wie alle anderen Menschen in einem kleinen Kosmos in einem Stadtviertel und bemerke, wie sich dort die anderen Zeitgenossen verhalten. Man soll seine Erfahrungen nicht überschätzen, aber es sind eben die Erfahrungen, die man macht und die man einordnet. Mehr Empirie dringt im eigenen Leben nicht zu uns vor.

Eine Erklärung für das Wohlverhalten wäre, dass die Kanzlerin mit ihrem Appell Wirkung erzielt hat, vielleicht sogar mehr, als sie für möglich hielt. Sie handelte ja nicht freiwillig, sondern weil sie meinte, es müsste sein. Ich kann mich an keine vergleichbare Situation erinnern, in der sie gleich mehrmals hintereinander gesagt hätte: Was wir hier gemacht haben, genügt nicht, ihr dort draußen müsst es besser machen als wir hier drinnen.

Es ist schon komisch, dass Angela Merkel, die davon überzeugt ist, dass  richtiges Handeln ohne große Worte auskommt, in ihrer letzten Runde die Macht der Worte entdeckt und sich direkt an uns wendet. Und es ist ebenso dramatisch, dass sie die Loyalität zu denjenigen unter den 16 Ministerpräsidenten aufkündigt, die aus ihrer Sicht ihr eigenes Süppchen kochen.

Ich finde Angela Merkel meistens gut. Sie hat uns sicher durch Krisen gesteuert, 2007/8 durch die Weltfinanzkrise und nun durch die Pandemie. Sie behielt die Ruhe und schuf Vertrauen, eine große Leistung, eine große Kunst. Aber ich bin mir nicht sicher, dass sie auch jetzt richtig liegt in ihrer Einschätzung, was unter den herrschenden Umständen nötig ist.

Wird die Pandemie dadurch verbreitet, dass die Leute quer durch die Republik zu Freunden oder Familie reisen? Doch wohl eher nicht. Wird das Ansteigen der Infektionszahlen durch das Beherbergungsverbot abgeflacht? Doch wohl eher nicht. Macht es einen gewaltigen Unterschied, ob Restaurants, Bars etc. um 23 Uhr schließen, anstatt um Mitternacht? Vielleicht ja, eher nein. Sollten wir so oft wie möglich zu Hause bleiben? Ziemlich viel verlangt.

Unangenehm an Covid-19 ist die große Ungewissheit, wann der Spuk vorbei sein wird. Wüssten wir, dass wir bis Ostern oder Pfingsten durch halten müssen, wäre das schwer Erträgliche erträglicher. So ist das immer im Leben, egal ob es um Trennungen auf Zeit geht oder um das Ausheilen von Verletzungen oder um den eingezogenen Führerschein. Sobald wir ein Datum kennen, haben wir ein Ziel, auf das wir hinarbeiten können. Und schon fällt die Zwischenzeit leichter aus.

Ich vermute, dass auch die Bundeskanzlerin das Nichtwissen über die Dauer, bis es Medikamente oder gar ein Vakzine geben wird, schwer zu schaffen macht. Die Geduld, um die uns zuerst gebeten hat und zu der sie uns jetzt eindringlich mahnt, ist ein fragiles Gut, weder zu verordnen noch beliebig zu verlängern. Die dunklen Tage ziehen sich ab jetzt hin und da könnten viele Zeitgenossen ins Sinnieren kommen, ob es das alles wert ist. Geduld kippt leicht in Verdruss um.

Vermutlich überkommt die Kanzler das Grauen, wenn sie nach Holland (Teillockdown mit Sperrstunde 22 Uhr, ab 20 Uhr kein Alkohol) oder Frankreich (Ausgangssperre zwischen 21 und 6 Uhr) schaut. Mit allen Mitteln möchte sie Ähnliches hier vermeiden, sowohl die erschreckenden Infektionszahlen als auch die drastischen Einschränkungen, das ist ja auch verständlich und in unserem Sinn. Vermutlich geht sie unter diesem Eindruck heute schon weiter, als sie müsste. Wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe – darauf will sie uns einstimmen.

Uns bleibt nichts anderes übrig, als Masken aufzusetzen und Abstand zu halten und aufs Beste zu hoffen. Daran sind wir mehr oder weniger gewöhnt. Und bald schon werden wir wissen, ob unsere Kanzlerin die richtigen Worte fand, um das Schlimmste zu vermeiden, den zweiten Lockdown.

Veröffentlicht auf t-online, heute.

Im Herbst des Missvergnügens

Wir geraten in den Herbst des Missvergnügens. Dafür sorgen die neuen Vorkehrungen gegen die Ausbreitung der Pandemie, die hier so ausfallen und dort anders und im dritten Bundesland wiederum anders. Dazu kommt das wenig erfreuliche Wetter, das uns zwingt, entweder zu Hause zu bleiben oder beim Lieblingsitaliener/-franzosen/-asiaten/-griechen drin zu sitzen und um 22.59 Uhr das Restaurant zu verlassen, damit der Wirt nicht in Schwierigkeiten kommt und wir auch nicht.

Ich muss ich an die Ostsee in Mecklenburg-Vorpommern fahren. Darf ich das? Ich will nicht übernachten, ich kann morgens hin und abends zurück fahren. Berlin, wo ich lebe, ist Risikogebiet. Wäre ich Tourist mit Hotelbuchung an der Ostsee, müsste ich in Quarantäne gehen, so viel ist klar. Ich bin aber kein Tourist, sondern ein Eintagesbesucher. Auf der Webseite des Landes muss ich zweimal durchlesen, was ich darf und was nicht, werde aber auch nicht klüger. Mein Fall ist nicht vorgesehen, ich bin ein bürokratischer Niemand. Fahre ich einfach hin, hoffe das Beste, und bin schnell wieder weg? Aber welche Strafe droht mir, wenn ich erwischt werde? Schwierig, schwierig.

Die Corona-Regeln sind seit März von Mal zu Mal variiert worden. Die Bundeskanzlerin hat es irgendwann aufgegeben, nationale Richtlinien auszugeben. Das war sachlich geboten, weil sich die Pandemie nun einmal lokal und regional unterschiedlich ausbreitet, führte aber zur systematischen Unübersichtlichkeit, die eher zunimmt als abnimmt. Kleinstaaterei wie im 19. Jahrhundert.

Das Missvergnügen breitet sich aus und hat politische Folgen. Ich bin zwar kein begeisterter Freund von Meinungsumfragen, doch spiegeln sie Meinungsveränderungen wider, die sich verfestigen können. Mehr Indikatoren für die Stimmung im Lande unter den Bedingungen der Pandemie haben wir nicht.

Die Wochen des großen Vertrauens in die Regierungen sind vorbei, soviel zeichnet sich ab. Die Herren Laschet/Merz/Röttgen/Söder werden mit Argusaugen lesen, dass die Union ihre hohe Zeit hinter sich hat und im Sonntagstrend bei Emnid nur noch bei 34 Prozent liegt, bei Forsa immerhin bei 36 Prozent. Die Frage ist, wie viel davon Angela Merkel zu verdanken ist und bei welchem Sockel ihr Nachfolger anfangen muss. Was bisher nur ein Murren war, dürfte im Herbst rasch anwachsen: Die CDU kann sich unter diesen Umständen keinen Dreikampf auf dem Parteitag im Dezember leisten. Einer, Röttgen, sollte verzichten, der zweite, Merz, wird sich das Antreten kaum versagen. Wird noch interessant.

Die Grünen segeln wieder besser im Wind. Bei den meisten Umfragen liegen sie bei 20 Prozent, Tendenz aufwärts. Sie sind zweifellos geschickt, sie tun so, als gebe es nur den Robert (Habeck) und die Annalena (Baerbock) und den Winfried (Kretschmann), also die souveräne Garde der Besonnenen. Es gibt allerdings auch linke Grüne in Ämtern wie in Berlin, antikapitalistisch und interventionistisch und erheblich weniger besonnen, um das Mindeste zu sagen. So lange die einen den anderen nicht in die Quere kommen, macht das nichts aus. Aber irgendwann kommen sie sich in die Quere, die Besonnen und die Radikalen, keine Frage. 

Nehmen wir noch die AfD hinzu, die einstellig herumkrebst und irre daran wird, dass sie unwichtig ist. Natürlich lag es nahe, dass sie sich an die Querdenker hängten, welche die kulturelle Hegemonie über die Pandemie-Leugner und sonstige Verschwörungstheoretiker innehaben. Der Übernahmeversuch ist gescheitert. Für Attila Hildmann oder eingefleischte QAnon-Anhänger ist die AfD Teil des Establishments, wie ironisch.

Der Herbst des Missvergnügens ist nicht mehr abzuwenden. Die Restriktionen haben ja auch wirtschaftliche Konsequenzen. Die Zahl der Pleiten dürfte in den nächsten Wochen erheblich zunehmen, mit der Dauer der Pandemie sowieso. Wer einen Klub, eine Bar oder ein Restaurant besitzt, ist arm dran. Das Virus verbreitet sich wieder rasant und ein Ende ist nicht abzusehen, das ist das Schlimmste. Gut möglich, dass sich das herbstliche Missvergnügen zur Depression im Winter steigert.

Veröffentlicht auf t-online.de, gestern.

Showdown in der Liebig

Unter den vielen Geschichten aus der Wendezeit, gibt es eine Geschichte, die bei den Feierlichkeiten am Samstag unerwähnt blieb. Sie spielt sich in Berlin ab, genauer gesagt im Norden von Friedrichshain, einem alten Arbeiterviertel, das heute sehr angesagt ist. Dort stehen zwei Häuser, an denen die Zeit vorüber gegangen ist. Sie sehen noch nach Ost-Berlin aus, vernarbt, vergilbt, versehrt. Das eine Haus hat die Adresse Rigaer Straße 94, das andere steht gegenüber in der Liebigstraße 34.

Beide Häuser sind Berühmtheiten in Berlin. Beide sind ein Politikum. Beide Häuser sind besetzt und verrammelt. In beiden wohnen Leute, die sich als Anarchisten verstehen, für die Gewalt aber mittlerweile zum selbstbestimmten Leben gehört. Dass in der Umgebung regelmäßig größere Autos brennen, könnte ein Zufall sein, muss aber nicht.

Nun tickt die Uhr für das Haus in der Liebigstraße 34. Am kommenden Donnerstag um 7 Uhr morgens soll es geräumt werden. Da kann man nur beklommen sein. Als vor Jahren 13 besetzte Häuser in der Mainzer Straße geräumt wurden, tobten tagelang Straßenkämpfe zwischen 500 Autonomen und 3000 Polizisten. Gut möglich, dass wieder Barrikaden brennen und Hubschrauber kreisen.

Niemand weiß, wie viele Menschen in den Häusern wohnen. Illegale sind darunter, sagt die Szene selber, ohne zu sagen, wer und was damit gemeint ist. „Gentri Fickt Euch alle“ haben sie an die Fassade gesprayt, daneben steht „Kill BND-Cops Now“. Im Blog des „anarcha-queer-feministischen Hausprojekts“ steht dieser Satz: „Auf den Staat und seine heuchlerischen Spielregeln scheißen wir. BRD – Bullenstaat – wir haben dich zum Kotzen satt.“  

Berlin ist eine große Stadt, ein Magnet für allerlei Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen hier leben wollen. Als die Mauer noch stand, war West-Berlin billig, Häuser standen leer, ließen sich besetzen. Die Generation der Häuserbesetzer von damals geht jetzt in Rente.

Die heutige Generation tummelt sich vorzugsweise im Osten. Darunter sind wieder linke Romantiker und Liebhaber der Anarchie, die von einem selbstbestimmten Leben träumen. Sollen sie, dürfen sie. Große Städte müssen manchmal auch widerwillig tolerant sein. Die Hafenstraße in Hamburg war so ein Experiment, das aufs Ganze gesehen glimpflich verlief. 

Als die DDR implodierte, wurden in Ost-Berlin ganze Häuserzeilen besetzt: von Studenten, Künstlern, Kreativen, Anarchos. Nach einiger Zeit endeten Auseinandersetzungen häufig mit Mietverträgen und damit waren die Besetzungen legalisiert. In der Liebigstraße 34 versuchten die Bewohner im Jahr 2008 sogar das Haus einer Erbengemeinschaft abzukaufen, aber den Zuschlag bekam ein Immobilienhändler namens Gijora Padovicz. Immerhin schlossen die Parteien einen Gewerbemietvertrag auf zehn Jahre.

Vor zwei Jahren lief der Vertrag aus. Die Mieter zahlten nicht mehr, zogen aber nicht aus. Von da an ging das Experiment endgültig in seine Gewaltphase über.

Zwei Häuser sind nicht viel. Sie können aber ihre Umgebung ärgern, einschüchtern, vertreiben. Inzwischen sind in der Liebigstraße etliche neue Wohnblocks entstanden, hell, ganz nett. Allenfalls Mittelstand, keineswegs Kapitalisten wohnen hier. Die Besitzer wählen die Grünen und die Linke; einer der Hausmeister war früher selber Hausbesetzer. Aber die militante Szene hält sie für Büttel des Systems und so beschießen sie die Fensterscheiben mit Stahlkugeln, bewerfen sie mit Pflastersteinen und besprühen die Hauswände mit Hassparolen.

Chaos ist ihr Lieblingsbegriff und weil Chaos ein Synonym für Dunkelheit ist, haben sie vor kurzem an den Laternen die Kabel herausgerissen und sorgten somit für die Dunkelheit, in der sie Barrikaden bauen und ein Feuer vor den beiden Häusern entzünden konnten.

Berlin ist nicht nur eine große Metropole, Berlin ist auch die Metropole der großen Wurschtigkeit. Das Haus in der Liebigstraße gehört zum Bezirk Kreuzberg/Friedrichshain. Der hat eine grüne Bürgermeisterin und einen grünen Baustadtrat, der aus politischen Gründen von Maßnahmen gegen die besetzten Häuser absieht. Vor vier Monaten verabschiedete die Bezirksverordnetensammlung mit der Mehrheit aus Grünen und Linken eine Resolution gegen die Räumung, denn hier sei „ein einzigartiger Schutzraum für Frauen und Lesben ohne diskriminierende patriarchale Strukturen“ entstanden. 

Ehrlich jetzt? Ziemlich zynisch. Ziemlich wirklichkeitsfremd. Die Leute in der Liebigstraße betrachten sie als ihre Schützlinge, die sie protegieren, egal ob sie andere diskriminieren, egal wie viel Gewalt sie üben. Und so schieben diese Politiker jede Verantwortung von sich, bekunden Solidarität und werden vermutlich am Donnerstag andere für die Exzesse schuldig sprechen, wenn es welche geben sollte: die Polizei, die Gerichte, den Senat – Hauptsache, sie sind fein heraus.

Kurzer Exkurs: Was wäre in Berlin los, wenn aus den Fenstern in der Liebigstraße schwarz-weiß-rote Fahnen hingen und militante Rechte die Straße für sich beanspruchten, Barrikaden bauten und mit Stahlkugeln schössen? 

Mit Recht würde der rechte Spuk schnellstens beendet. Und mit Recht wird am Donnerstag das völlig aus dem Ruder gelaufene linke Experiment in der Liebigstraße beendet. 

Veröffentlicht auf t-online, heute