Donald Trump nennt das Duo aus den USA und China gerne die G 2, als wäre es ein Traum-Team, das die Welt regiert. Es ist wohl eher das Gegenteil in der derzeitigen Verfassung, ein Trauma-Team. Der eine der G 2 behandelt Verbündete wie Feinde und zerreißt Institutionen, die Jahrzehnte lang für globale Sicherheit gesorgt hatten. Der andere führt ein autoritäres System, das seine Nachbarn gängelt und in aller Seelenruhe Konflikte schürt, die sich anderswo ereignen und eigentlich nach einem Vermittler rufen.
Trump nennt Xi Jin Ping, den er übermorgen in Peking treffen wird, mal einen Freund und dann wieder einen Feind. Xi wiederum glaubt, dass Amerika unabänderlich im Niedergang begriffen ist, während China unaufhaltsam dabei ist, die unumschränkte Nummer 1 zu werden.
In einer Welt, in der sich die G 2 verantwortlich für den Lauf der Dinge fühlten, würden sie die Gefahren der Künstlichen Intelligenz bannen und Felder gemeinsamer Interessen definieren, von seltenen Erden bis hin zu globalen Lieferketten. Aber da müsste viel passieren, bis sie sich zur Zusammenarbeit entschließen.
Die Welt tut also gut daran, die Hoffnungen auf ein besseres Verhältnis der G 2 einzudämmen. Xi und Trump dürften eisern ihre eigenen Interessen verfolgen. Allenfalls ein gemeinsamer Ausschuss für die gegenseitigen Handelsbeziehungen könnte heraus springen.
Der chinesische Handelsüberschuss hat sich seit 2018 halbiert: von 400 Milliarden auf 200 Milliarden Dollar. Diese für die USA günstige Entwicklung täuscht allerdings, denn China exportiert Güter auch über Drittländer nach Amerika. Diese Tatsache hindert den US-Präsidenten jedoch keineswegs daran zu behaupten, dass seine Taktik mit dem Rauf und Runter der Zölle Wirkung erzielt. Der neue Handelsausschuss hätte aus seiner Sicht die Aufgabe, den Überschuss auf 0 zu bringen.
Mehr als ein Symbol wäre die Einrichtung dieses Gremiums aber nicht. Das Gefälle entsteht schlicht dadurch, dass China immer noch sehr viel mehr Waren produziert, die amerikanische Verbraucher haben wollen, während Amerika erheblich weniger Waren produziert, die chinesische Verbraucher haben wollen.
US-Verbraucher schätzen Smartphones, Computer, Haushaltsgeräte, Kleidung, Spielwaren und Möbel. China ist vorzugsweise auf dreierlei aus: Fleisch, Sojabohnen und Boeing-Flugzeuge.
Mit Wohlgefallen muss Xi Jin Ping die jüngsten Ereignisse zur Kenntnis genommen haben. Die USA verlegten einen Flugzeugträger samt Begleitschiffen, dazu einen Kampfverband des Marine Corps und auch Raketenabwehrsysteme aus Asien an den Persischen Golf. Dass Trump sich in einen Krieg gegen Iran stürzte, aus dem er nicht herausfindet, ist aus chinesischer Sicht äußerst erfreulich.
Xi gefällt sich in der Rolle der kommenden Weltmacht, die Stabilität ausstrahlt, während Trump nun einmal der Inbegriff der Unberechenbarkeit ist. Daraus könnte nun folgen, dass Xi sich zum bedachten Vermittler aufschwingt, der dabei hilft, Kriege zu beenden.
Einmal hat er es mit der Entspannung versucht. Das war, als er Saudi-Arabien und Iran miteinander ins Gespräch brachte. Das ist nicht sehr lange her, aber hinfällig. Iran und Saudi-Arabien sind wieder die Feinde, die sie immer schon waren. Das sollte China eine Lehre sein.
In Wahrheit hat Xi keinerlei Interesse daran, dass die beiden Kriege im Westen beigelegt werden. Ohne den Export von Öl und Gas nach China wäre Wladimir Putin in noch größeren Schwierigkeiten nach mehr als vier Jahren Invasion in die Ukraine.
Ohne den Export von Öl nach China wären die Mullahs ökonomisch in einer gänzlich aussichtslosen Lage.
Noch braucht Xi solche Ressourcen. Er bekommt sie auch noch billiger, weil Russland wie Iran auf den Export angewiesen sind. Wer auch immer dazu bereit gewesen sein mag, sich in Illusionen über Xi und China als stabilisierenden Faktor in Konflikten und Kriegen auf dem Erdball zu wiegen, dürfte inzwischen aufgewacht sein.
Iran und in gewisser Weise auch noch die Ukraine sind für Xi Beweise für seine These, dass die beste Zeit hinter den USA liegt. Seit Barack Obama reden Präsidenten davon, dass sich ihr Land auf Asien konzentrieren muss – auf die Auseinandersetzung mit China. Und noch jeder Präsident ließ sich in Konflikte im Nahen Osten hineinziehen – im Irak, in Syrien, in Libyen, im Iran.
China kennt die Langstrecke, denkt weit voraus. Die USA kennen nur Kurzstrecke und verzetteln sich.
Xi hat allerdings auch ein Sonderproblem mit Trump. Deshalb wird er den Zeigefinger heben und wie seine Vorgänger Beschwerde führen. Es geht um Taiwan, die demokratische, hochgerüstete Insel, die China für sich beansprucht. Sie ist Xis wunder Punkt. In Taiwan, direkt vor der Haustür, sind ihm die USA im Wege. Ohne sie wäre die Insel längst annektiert.
Erst vor wenigen Monaten hat Trump militärisches Gerät vom Feinsten zum Export genehmigt. Dazu gehören ein Radar-gestütztes Raketen-Frühwarnsystem und 60 Raketen vom Typ Harpoon, die angreifende Schiffe versenken können. Das Ganze im Wert von 1,1 Milliarden Dollar.
Sie können sich gegenseitig ärgern, die G 2. Sie können sich auch weh tun. Sie sind immer wieder dabei, einander Steine in den Weg zu legen. Die Welt hat nichts von diesen egozentrischen Weltmächten zu erwarten, die sich jetzt zwei Tage lang belauern werden.
Veröffentlicht auf t-online.de, heute.